Vertrauen Sie nicht Ihrem Bauchgefühl

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Vertrauen Sie nicht Ihrem Bauchgefühl

Die Crux mit dem Bauchgefühl

Gina ist verliebt. Frisch verliebt. Schmetterling im Bauch, wacklige Knie – das volle Programm. Wenn nur diese ewige Fahrerei nicht wäre. Leider wohnt der Angebetete 200 km entfernt. Eine Wochenendbeziehung ist nicht was Gina sich für ihre Zukunft vorgestellt hat. 
Als ihr Schwarm sie fragt ob sie bei ihm einziehen möchte, gluckst ihr Herz vor Vergnügen. 
Aber sie hat ein ungutes Gefühl im Magen. Je länger sie darüber nachdenkt desto stärker wird das Bauchgefühl. “Das wird nicht gut gehen” denkt sie sich. 
Sie schiebt die Antwort heraus und schindet etwas Zeit. “Ich habe meinen Chef gefragt, ob man mich in die Filiale in Kassel versetzen kann”. 
In den folgenden Wochen verschlechtert sich das Verhältnis. 
Nach drei Wochen ist es soweit. Die Trennung. 
“Was für ein Glück”, denkt sich Gina “mein Bauchgefühl hat mir gleich gesagt, dass es nicht gut gehen wird”. 

Präambel

Vor 12 Jahren war Gina schon einmal schwer verliebt. Es war die ganz große Liebe. Niemals zuvor hatte Gina jemanden oder etwas so geliebt für diesen Mann. Er ist der Grund, dass sie momentan im Norden wohnt. Eigentlich kommt sie ja aus Bayern. Sie liebt Bayern und die Lebensart. 
Als sie Thomas kennen lernte, war er leider verheiratet. Schon sehr lange und wie er sagte sehr unglücklich. Es war nicht, dass er seine Frau nicht mehr liebte. Nur hatte sich die Liebe im Laufe der Jahre verändert, ist zu einer Liebe wie man sie gegenüber einem Familienmitglied empfindet geworden. Keine Leidenschaft mehr. Kein Verlangen. 
Gina hatte niemals vor, sich mit einem verheirateten Mann einzulassen. Aber die Gefühle wurden zu stark. 
Thomas war ein Mann von Ehre. Er verließ seine Frau auf die anständigste Art auf die ein Mann eine Frau verlassen kann. Er zog in ein Hotel und Gina fuhr zu ihm, schon in der ersten Nacht. 
Die beiden zogen zusammen. Thomas war ein Direktor einer Sparkassenfiliale, so dass Geld kein Problem war. Seine Gina konnte die neue Wohnung nach Herzenslust einrichten. Fast täglich brachte ihr Thomas Geschenke mit. Das überwältigende war nicht der materielle Wert sondern die Zeit und Mühe die er aufwendete. 
Gina war im siebten Himmel, nein im neunten. Manchmal war das Glück so stark, dass es sie fast zu zerreissen schien. 
Thomas nahm sich einen Anwalt und teilte seiner Frau mit, dass er die Scheidung will. 
Kaum war Thomas weg, hatte die Frau die sich über viele Jahre nur um ihre Karriere gekümmert hatte plötzlich wieder Interesse an Thomas. Sie fing an zu kämpfen. Wie eine Furie! Tränen, emotionale Erpressung, kein Trick wurde ausgelassen. Sie fand immer einen Grund anzurufen. Und wenn es etwas völlig abstruses war. 
Auf einmal war sich Thomas nicht mehr sicher. “Ich wünschte wir hätten uns vor meiner Ehe kennen gelernt”, sagte er zu Gina. Wie das Gina an die Nerven ging, bedarf keiner Erwähnung. 
Natürlich gab es dann auch mal Streit mit Thomas. Die Situation war schließlich sehr belastend. 
Eines Tages sagte Thomas zu Gina dass er einige Tage Bedenkzeit braucht. Er nahm sein Motorrad und weg war er. Er wollte sich über seine Gefühle klar werden und entscheiden, bei welcher Frau er bleibt. Was für eine unerträgliche Belastung für Gina. Tagelang hatten sie keinen Kontakt. 
Plötzlich stand Thomas in der Tür. Strahlend. “Ich liebe Dich”, sagte er. “Darüber bin ich mir jetzt völlig im Klaren”. Gina fiel ein Stein vom Herzen, nein, ein Steinbruch. Aber irgendwie hat sie sich nicht mehr so wohl gefühlt. Nicht mehr so sicher. Es gab öfter Streit in der nächsten Zeit. 
Eines Tages wacht Gina auf und findet einen Zettel auf dem Kissen, auf dem der Kopf ihres Geliebten ruhen sollte: 
“Es tut mir leid, ich gehe zurück zu meiner Frau. Die Miete für den nächsten Monat habe ich überwiesen”. 
Gina war zu der Zeit Lagerarbeiterin. Die Miete für die luxuriöse Wohnung betrug fast exakt das doppelte ihres monatlichen Nettoeinkommens. 
Einen Monat hatte sie also Zeit, einen Nachmieter für die überteuerte Wohnung zu finden. 
Gina´s Herz brach. 
Diese Formulierung ist natürlich Quatsch, Herzen brechen nicht – nur Menschen brechen. Gina ist ein bisschen zerbrochen an dem Morgen als sie den Zettel fand. Zunächst hatte sie gar keinen Schmerz gefühlt. Sie fühlte gar nichts. Sie war wie betäubt. Dann kam der Schmerz. Schmerz so unfassbar stark wie vorher die Liebe war. 

Jetzt wird´s sachlich

Schmerz verändert unser Gehirn. Traumatische Ereignisse verändern unser Gehirn. Am leichteste ist es erklärbar am Beispiel körperlichen Schmerzes: 
Irgendwann in Ihrer Kindheit haben Sie sich am Kopf verletzt. Vielleicht haben Sie sich den Kopf an einer offenen Schranktüre gestossen. Ihr Gehirn hat die Aufgabe sie vor Schmerzen zu schützen. Wenn wir jetzt live oder vor einer Kamera wären und ich würde Ihnen sagen, dass ich einen “Trick” mache. Und dann simulieren ich würde mit der Faust in die Kamera schlagen. 
Würden Sie zurück zucken? 
Wenn Sie darüber nachdenken würden, würden Sie natürlich nicht zurück zucken. Sie wissen ja, dass ich kein Schläger bin (wissen Sie doch, oder?), und dass nichts und niemand sie durch eine Kamera treffen kann. 
Aber die Chance nachzudenken haben sie nicht. Als Sie sich zum ersten Mal verletzten, hat ihr Gehirn eine neuronale Verbindung zu dem sogenannten primitiven Teil Ihres Gehirns geschaffen. Dieser Teil des Gehirns ist überlebenswichtig. Wenn ein Bär hinter ihnen her ist, gibt es nicht viel nachzudenken: Flieh oder kämpfe. 
Nur wenn ein Impuls zum, nennen wir es intellektuellen Teil Ihres Gehirns, geleitet wird, haben Sie die Möglichkeit nachzudenken und bewusste Entscheidungen zu treffen. 
Die Verbindungen zum primitiven Hirn sind stark. Dick und massiv. Die Verbindungen zum intellektuellen Teil sind weitaus zerbrechlicher und feiner. 

Survival

Unser Gehirn hat eine sehr einfache Stellenbeschreibung: Überleben. Ihr Gehirn interessiert nicht, ob Sie sich einen Ferrari leisten können, Ihre Firma erfolgreich ist oder Sie mit Ihrem Seelenverwandten zusammen sind. Das alles ist nicht wichtig für Ihr Überleben. 
Um noch einmal kurz zu unserem Beispiel zurückzukommen: Sie hatten sich am Kopf gestoßen. Ich gehe davon aus, dass Sie noch niemals jemand mit einer Faust ins Gesicht geschlagen hat. Schon gar nicht durch eine Kamera. Trotzdem habe Sie reagiert als würde gerade das passieren. 
Das Problem ist: Das Gehirn scannt nicht nach exakt gleichen Situationen. Auch bei einer nur entfernt ähnlichen Situation setzt der Überlebensinstinkt ein. 
Dasselbe gilt für emotionalen Schmerz. 
Sobald wir Schmerz empfinden, körperlich oder mental, bildet unser Gehirn eine Verbindung zum primitiven Teil unseres Gehirns. Ab diesem Zeitpunkt reagieren Sie auch auf entfernt ähnliche Situationen als wäre die gefährliche Situation wieder da. 
Es ist natürlich völlig egal wenn Sie reagieren als würde wieder ein Bär vor Ihnen stehen, wenn es eigentlich ein Löwe ist. Oder wenn Sie auf der Autobahn fahren und blinzeln wenn eine Fliege die Windschutzscheibe Ihres geschlossenen Wagens trifft. 
Es ist ein Problem, wenn Gina einen neuen Mann trifft. Gina wird nie wissen, ob es mit dem Neuen geklappt hätte. Ihr Gehirn hat sich an den Schmerz den Thomas verursacht hatte erinnert und Gina gezwungen zu reagieren “als ob”. Dadurch hat sie eine selbsterfüllende Prophezeiung ausgesprochen. Sie hat den Mann unbewusst durch ihr Verhalten in die Flucht getrieben. 
Gina hatte kein “Bauchgefühl”. Gina hatte Angst. Ihr Gehirn hat dafür gesorgt, dass Thomas sie nicht verletzen konnte, so wie Ihre grosse Liebe. Und dass Sie wieder alleine war. 
Ob es der Firmengründer ist, der etliche Pleiten in Folge hinlegt oder die Frau die “immer wieder an den Falschen” gerät – in den meisten Fällen sabotieren wir unbewusst unser eigenes Glück.
Was wir als “Bauchgefühl” empfinden, ist häufig nur das Resultat unserer schmerzvollen Erfahrungen. 

Schmerz verändert unser Gehirn

Wie erwähnt ist unser Gehirn unfassbar gut darin uns zu beschaffen, was wir bestellen. Allerdings müssen wir auch wirklich daran glauben. 
Eine weitere Stolperfalle: Unser Gehirn ist nicht besonders gut darin, Negationen umzuwandeln. Man könnte meinen: “Ich werde nicht wieder scheitern, die neue Firma wird ein Erfolg”, sei eine gute Affirmation. Ist es aber nicht. Tödlich! Das Gehirn hört: “Scheitern … aha, da war doch mal was und das tat ja auch ganz schön weh. Ok, besorg ich ihm”. 

Was also tun?

Die gute Nachricht ist: Man kann das Gehirn trainieren und unerwünschte und schädliche Verbindungen zum primitiven Gehirn lösen. Wer Ihnen aber erzählt, dass das innerhalb von einigen Tagen möglich ist, verfügt entweder über unzureichende Informationen oder lügt. 
Es benötigt etwa 90 Tage, um das neuronale Netzwerk neu zu trainieren. Überlegen Sie selbst: Es hätte Sie schon lange ein Bär gefressen, wenn es so einfach wäre, oder? 
Fazit:
Erst Training mit mir buchen, dann auf´s Bauchgefühl hören. 

Kontakt: 
Aurorasa Sima 
Tel.: +1 224 888 1488
http://phoenix.braindiamond.com 

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